Dienstag, Januar 11th, 2011 | Author:

Ich ertappe mich dabei, auf den weiten Meeresspiegel hinauszusehen und mir dabei klar zu machen, dass dieser Brandung hier, 10000 km entfernt, eine andere entspricht, die im rechten Winkel zu dieser brandet, jetzt, ganz real, z.B. irgendwo in Indien.

Welle …

Ich versuche mit meinem Geist die gewaltige Größe dieses Kugelwohnplatzes zu umfassen. Ich spüre förmlich, wie wir rundherum wuselnd an seiner Oberfläche kleben und ihren Mutter-Körper so selbstverständlich für „unten“ halten.

Dass wir eine apfelschalen-dünne, organische Schicht bewohnen, darunter glühendes Gestein, darüber lichtjahreweit Weltraumkälte, ein Biofilm, ein pures, lebendiges Wunder, wir wissen vieles darüber, aber wir spüren es nicht in unseren Seelen.
Wir reißen die in hundertausenden Jahren sanft und geduldig aus Blatt- und Farngrün entstandene, als Kohle und Öl verkörperte Sonnenstrahlenenergie aus der Erde, verbrennen alles – rücksichtslos und ahnungslos wie zündelnde Kinder – fast explosionsartig in wenigen Jahrzehnten in unseren röhrenden Motoren und Turbinen und entlassen die Abfallprodukte in unsere kostbare, einzige, begrenzte  Apfelschalen-Lebenswelt.

Welle …
Welle …

Unser Wirtschaftssystem des immerwährenden Wachstums ist auf den Prinzipien des Eigennutzes als Antrieb, und der Aneignung von natürlichen Resourcen erbaut. Erhält diese Kraft zuviel Raum, entsteht unpersönliche, alle Folgen für andere ignorierende Gier. Der Treibstoff der Megamaschine. Gier ganz nüchtern und nichtmoralisch betrachtet ist, wenn man als mehr von der Welt nimmt, als einem als organischem Teil eines Ganzen zusteht. 

Welle …

Würde nicht jeder von uns sofort bestreiten, dass er diese Eigenschaft lebt, und darauf hinweisen, daß er/sie als eizelne/r sowieso nichts ändern kann, und vielleicht auf andere zeigen, die es weit schlimmer treiben?
Was aber, wenn unsere ganze soziale, technische, monetäre Lebensumwelt so organisiert ist, dass sie systemisch genau dieses Zuviel (für die Erde, unsere Mitmenschen) zur Folge hat, haben muss? 
Wir leben in einer Zeit, in der einer immer größeren Zahl von uns dieses seit einigen dutzend Jahrzehnten gelebte Übermaß langsam kollektiv bewusst wird. Kundige drücken es so aus, dass wir – gemessen an der Tragfähigkeit und Regenerationskraft unserer Biospäre – aktuell schon dabei sind, die zweite Hälfte eines zweiten Erdplaneten anzubrechen, obwohl wir real nur diesen  einzigen haben. 

Welle …

Aber wieweit kann man von einem Einzelmenschen verlangen, dass er – infolge gedanklicher Analyse und/oder seelischer Betroffenheit – völlig anders handeln soll, als seine gesamte soziale Umwelt, in die er hineingeboren wurde und von der er abhängig ist, die ihm den Rahmen seiner Handlungsmöglichkeiten vorgibt? 

Welle …

Wir sind so so abhängig voneinander! 
Schau Dich probeweise einmal bewusst um an dem Ort, an dem Du dich gerade befindest, und überlege, welche der Dinge, die Du an Dir und um Dich herum siehst von Dir selbst hergestellt wurden, und welche von hunderten anderen Menschen, in ausgeklügelter, geldvermittelter Arbeitsteilung rund um die Welt. 
Das ist technische Verbundenheit ohne persönliche Verbundenheit.
Für welche Dinge davon hättest Du zumindest theoretisch die nötigen Kenntnisse, sie herzustellen? 
Wenige bis keine? 
Das meine ich mit Abhängigkeit.

Welle…

Was tun??

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One Response

  1. Hi you two! Happy New Year!!
    I am really happy to read this post… can feel the time you have to ponder the universe and the film of humanity on this globe. I am lying with a sore throat and stuffed head on the couch, and also have a few moments more than usual… it will change… it is changing… I am really happy for the both of you! What a wonderful experience you are having! Why could not our entire life be lived in this awareness and fullness of time, of connection to our old mother Gaia turning under our feet?