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Mittwoch, Juli 15th, 2015 | Author:

Modulare Ikosaeder-Häuser sind mein neues Projekt – das aktuelle Ergebnis meiner Überlegungen, für ein visionäres, ressourcenschonendes Haus einer enkeltauglichen Zukunft nach einem optimalen Schnittpunkt zu suchen zwischen den folgenden Anforderungen:

  • möglichst ökologisch (d.h. natürliche, regionale, recyclebare Baustoffe, einfache Reparatur)
  • möglichst einfach (Selbstaufbau, keine Spezialwerkzeuge, Aufbau unkompliziert zu verstehen)
  • möglichst ökonomisch (auch für Leute, bei denen Geld keine Lebens-Priorität ist)
  • möglichst effizient (bei Bedarf winterfest, isoliert, langfristig haltbar)
  • möglichst ästhetisch (ressourcenschonend Leben heißt nicht zurück in die Steinzeit, Schönheit und Geborgenheit ist ein wichtiger Teil von Lebensqualität)
  • möglichst flexibel (zerlegbar, platzsparend transportierbar, je nach Bedarf sind alle modularen Einzelelemente nach den jeweiligen Bedürfnissen vor Ort re-kombinierbar und austauschbar)

Zunächst – Was ist eigentlich ein Ikosaeder? Es handelt sich um den „platonischen Körper“, der der Kugel am nächsten kommt. Platonische Körper haben die spezielle Eigenschaft, geometrisch aus lauter identischen Teilen zu bestehen. „Iko“ bedeutet „zwanzig“ auf griechisch – der Ikosaeder setzt sich aus 20 gleichseitigen Dreiecken zusammen.

27-Dome

Er ist übrigens mathematisch die Urform aller Domes – in jedem Dome entsprechen die Fünfecke den Ecken eines Ikosaeders. Über mein Domebau-Projekt 2009  kam ich mit den interessanten Eigenschaften dieser Form erst in Kontakt. Domes sind schön, aber technisch schwer als isoliertes, zuverlässig regendichtes Wohngebäude für unser Klima umzusetzen.

Fangen wir also erstmal mit der einfachsten Form an…

 

ikosaeder-strohhalmmodell-380px

Der Ikosaeder ist eine der effizientesten Formen, mit wenig Material möglichst viel Nutzraum auf äußerst stabile Art zu umbauen. Das Oberfläche/Volumen-Verhältnis (A/V) liegt am nächsten an dem der Kugel, dem Optimum. (Quader: 6, Ikosaeder 5,1, Kugel: 4,8).
Rechts ein Strohhalm-Modell (die untere Pyramide ist hier bereits weggelassen, hier befindet sich beim Ökosaeder der Boden.)

Attraktiv an einem Wohnkörper in in Ikosaederform waren für mich die folgenden Grundüberlegungen:

  • Jeder Material – und späterer Energieeinsatz zum Heizen wird schon konzeptionell wegen der Form effizienter genutzt als bei herkömmlichen Bauformen. Pro Kubikmeter Nutzraum werden also weniger natürliche Ressourcen für die Wandkonstruktion verbraucht. (Beispiel: Gegenüber einem Kubus mit gleichem Volumen benötigt ein Ikosaeder 22,5% weniger Wandfläche.)
  • Ein Baukörper aus Dreiecken ist statisch extrem stabil, das heißt, man kann mit leichterem Material die gewünschte Stabilität erreichen.
  • Lauter gleiche Teile erlauben eine sehr effiziente und preisgünstige Herstellung. Plant man die Module von Größe und Gewicht in einem menschlichen Maß, können sie bequem in der Werkstatt mit geeigneten Hilfsmitteln (vor-)gefertigt werden. Die fertigen Module werden dann auf dem Bauplatz zum Wohngebäude zusammengesetzt. Das kann wegen der guten Handhabbarkeit auch durch die Bewohner selbst geschehen.
  • Module erlauben eine freie (Um-)Gestaltung des Wohnkörpers und ebenso eine leichte Reparatur durch seine Benutzer, die Anzahl und die Plazierung von Fenstern kann etwa der Landschaft und den Erfordernissen der Bewohner angepasst werden.
  • Geplant sind isolierte Wandmodule, leichte, isolierte Dachmodule inkl. Deckung, Fensterdreiecke, Module mit Dachbegrünung, mit eingebauter Photovoltaik, Solarthermie und Wandheizungsmodule, Module mit fertig eingebauter Elektroinstallation…
  • Auf der sozialen und psychologischen Ebene gefällt mir, daß runde und kuppelförmige Bauten eine spezielle Geborgenheit ausstrahlen und ein Zusammenkommen im Kreis unterstützen – einem sozialen Urbedürfnis des Menschen, das heute oft zu kurz kommt.

 

01-zeichnungen

Links: Ikosaeder Traggerüst, rechts (schematisch): Wände und Dach aus Modulen zusammengesetzt. Unten: Entwurf eines Traggerüstes für den Boden.

02-zometool-modell

Modell, gebaut mit dem Zometool-Baukasten

Nach einem Winter, in dem ich viele Zeichnungen und Berechnungen gemacht, Materialien recherchiert, Modelle gebaut und an Umsetzungsdetails getüftelt habe, liegen jetzt im Juli 2015 die ersten Schritte der Verwirklichung hinter uns – auch Dank der großzügigen und ausdauernden Mitarbeit von Robin Garms für 2 schöne Wochen! Das Konzept funktioniert tatsächlich, und die ersten Probeaufbauten sehen vielversprechend aus.

Wir bauen zunächst einen ersten Prototyp mit 10 qm Bodenfläche, Durchmesser 3,80, Wandhöhe 2,10m, Innenhöhe 3,3m. Die identischen Dreiecksmodule, die mit Sperrholz, Fermazell (Gipsplatten), Glas oder anderen Materialien gefüllt werden, haben eine Seitenlänge von 1,21 m und werden mit losen Federn und eingesägten Nuten untereinander und mit den umfassenden Ikosaeder-Dreiecksrahmen verbunden.

Hier ein paar Bilder vom aktuellen Stand:

05-fingerzinkenFingerverzinkung für eine optimale Stabilität der Module
06-ein-modulMartin Garms mit einem Wand-Modul, hier gefüllt mit Fermazell
07-robin-4dreieckeRobin präsentiert die ersten drei fertigen Module. Sie ergeben die Füllung eines Ikosaeder-Dreieckes von den insgesamt benötigten 15.
08-ganzes-dreieckDrei Module, hier noch ohne Füllung, eingebaut in das umfassende Ikosaeder-Dreieck.
09-verbindungen
10-dreicksvorrat
11-die-werklerGaragen-Fertigung mit selbstgebauten Produktionshilfsmitteln…
12-testaufbauProbeaufbau mit 6 von 15 Dreiecken
13-testaufbau

14-iko-im-gruenen

Update Oktober 2015

Dieser heiße Sommer war reise-reich und dieser Herbst voller schöner Farben recht arbeitsreich – erst Mitte Oktober finde ich Gelegenheit, weiterzubauen. Leider macht der nahende Winter es ungewiss, wie lange ich überhaupt draußen noch werkeln kann. Die Begeisterung ist aber ungebrochen.
Ich wende mich dem Boden zu, der aus geometrischen Gründen 2 andere Modulformen braucht als Wände und Dach.

Bodendreiecke-Stapel

Das hier sind die 15 Dreiecke, die den Boden tragen werden …

Martin im Boden-500px

und so werden sie später zusammengesetzt.

Die Fächer werden mit Hanf/Jute-Isolierung gefüllt und bekommen als Deckel einen schönen Holz-Dielenboden.

Es ist schon anspruchsvoll, alle Details selbst neu zu entwickeln, und Hindernisse auf dem Weg zu überwinden, wie zum Beispiel den sehr spitzen Winkel an den Ecken mit einer Kreissäge zu fertigen, die nur 5 cm Schnitttiefe hat. Auf dem Weg in die greifbare Wirklichkeit sind nunmal Kompromisse unumgänglich. Der geometrischen Grundidee versuche ich aber erstmal konsequent treu zu bleiben.

Um wieviel leichter ist das visionäre Konstruieren doch mit meinem Zometool-Baukasten – bequem auf dem Boden im warmen Zimmer. Neulich erschien die Idee einer „Sternwohnung“ aus 5 um einen Stern angeordneten Ikosaedern vor meinem inneren Auge: Unten wäre Süden, in der Mitte bildet sich ein von den Einzelräumen umschlossenener kleiner Begegnungs-Hof, der auch mit Glasdreiecken überdacht oder winters geschlossen werden könnte. Ein Modell für eine Studenten-WG oder einen Familie? Auf Wunsch können leicht zwei  Ökosaeder miteinander zu einem großen Wohnzimmer verbunden werden.

Sternwohnung-klein

Aufsicht Sternwohnung

Sternwohnung-schraeg-600px

Ökosaeder-Sternwohnung Süd 600px

Im unteren Stockwerk wäre Platz für Werkstatt, Cafe, Laden, Terrasse, Fahrräder oder Garage. Die Materialkosten für den ganzen 5-Raum-Baukörper liegen etwa in der Region eines gehobenen Mittelklassewagens.
Würde man doch nicht in dem Land mit den restriktivsten Baubestimmungen der Welt wohnen … mir gehen  seit Wochen die frierenden Flüchtlinge nicht aus Herz &  Kopf … ich wünschte manchmal, ich wäre schon weiter.

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Dienstag, Mai 31st, 2011 | Author:

In den letzten Wochen habe ich mich spontan entschlossen, ein lokales Projekt zu unterstützen, das sich für eine nachhaltige Energieerzeugung in unserer Gemeinde Lenzkirch einsetzt: am 6.6.2011 wird hier eine Energiegenossenschaft in Bürgerhand gegründet, die helfen soll die engagierten Lenzkircher Bürger zu vernetzen und ganz konkrete Projekte zu erneuerbaren Energien in Angriff nehmen wird.
Obwohl ich wegen meinen selbstständigen Projekten eigentlich kaum Zeit habe, spürte ich, dass es JETZT der Moment ist, meine Kompetenzen und Mithilfe anzubieten für eine solche Initiative für den Ort, an dem ich lebe, und dessen wunderbare Naturqualität ich liebe.
So habe ich mit WordPress fix eine Website aufgesetzt und eine Werbekarte entworfen, damit möglichst viele Lenzkircher von der Gründung erfahren und sich mit Informationen versorgen können:

http://buergerenergie-lenzkirch.de

Ich bin sehr gespannt, wie sich das Projekt weiterentwickeln wird und spüre echte Freude darüber, daß auch hier im Schwarzwald unübersehbar ein Bewusstseinswandel geschieht und Veränderungen ganz praktisch angepackt werden!

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Dienstag, Januar 11th, 2011 | Author:

Ich ertappe mich dabei, auf den weiten Meeresspiegel hinauszusehen und mir dabei klar zu machen, dass dieser Brandung hier, 10000 km entfernt, eine andere entspricht, die im rechten Winkel zu dieser brandet, jetzt, ganz real, z.B. irgendwo in Indien.

Welle …

Ich versuche mit meinem Geist die gewaltige Größe dieses Kugelwohnplatzes zu umfassen. Ich spüre förmlich, wie wir rundherum wuselnd an seiner Oberfläche kleben und ihren Mutter-Körper so selbstverständlich für „unten“ halten.

Dass wir eine apfelschalen-dünne, organische Schicht bewohnen, darunter glühendes Gestein, darüber lichtjahreweit Weltraumkälte, ein Biofilm, ein pures, lebendiges Wunder, wir wissen vieles darüber, aber wir spüren es nicht in unseren Seelen.
Wir reißen die in hundertausenden Jahren sanft und geduldig aus Blatt- und Farngrün entstandene, als Kohle und Öl verkörperte Sonnenstrahlenenergie aus der Erde, verbrennen alles – rücksichtslos und ahnungslos wie zündelnde Kinder – fast explosionsartig in wenigen Jahrzehnten in unseren röhrenden Motoren und Turbinen und entlassen die Abfallprodukte in unsere kostbare, einzige, begrenzte  Apfelschalen-Lebenswelt.

Welle …
Welle …

Unser Wirtschaftssystem des immerwährenden Wachstums ist auf den Prinzipien des Eigennutzes als Antrieb, und der Aneignung von natürlichen Resourcen erbaut. Erhält diese Kraft zuviel Raum, entsteht unpersönliche, alle Folgen für andere ignorierende Gier. Der Treibstoff der Megamaschine. Gier ganz nüchtern und nichtmoralisch betrachtet ist, wenn man als mehr von der Welt nimmt, als einem als organischem Teil eines Ganzen zusteht. 

Welle …

Würde nicht jeder von uns sofort bestreiten, dass er diese Eigenschaft lebt, und darauf hinweisen, daß er/sie als eizelne/r sowieso nichts ändern kann, und vielleicht auf andere zeigen, die es weit schlimmer treiben?
Was aber, wenn unsere ganze soziale, technische, monetäre Lebensumwelt so organisiert ist, dass sie systemisch genau dieses Zuviel (für die Erde, unsere Mitmenschen) zur Folge hat, haben muss? 
Wir leben in einer Zeit, in der einer immer größeren Zahl von uns dieses seit einigen dutzend Jahrzehnten gelebte Übermaß langsam kollektiv bewusst wird. Kundige drücken es so aus, dass wir – gemessen an der Tragfähigkeit und Regenerationskraft unserer Biospäre – aktuell schon dabei sind, die zweite Hälfte eines zweiten Erdplaneten anzubrechen, obwohl wir real nur diesen  einzigen haben. 

Welle …

Aber wieweit kann man von einem Einzelmenschen verlangen, dass er – infolge gedanklicher Analyse und/oder seelischer Betroffenheit – völlig anders handeln soll, als seine gesamte soziale Umwelt, in die er hineingeboren wurde und von der er abhängig ist, die ihm den Rahmen seiner Handlungsmöglichkeiten vorgibt? 

Welle …

Wir sind so so abhängig voneinander! 
Schau Dich probeweise einmal bewusst um an dem Ort, an dem Du dich gerade befindest, und überlege, welche der Dinge, die Du an Dir und um Dich herum siehst von Dir selbst hergestellt wurden, und welche von hunderten anderen Menschen, in ausgeklügelter, geldvermittelter Arbeitsteilung rund um die Welt. 
Das ist technische Verbundenheit ohne persönliche Verbundenheit.
Für welche Dinge davon hättest Du zumindest theoretisch die nötigen Kenntnisse, sie herzustellen? 
Wenige bis keine? 
Das meine ich mit Abhängigkeit.

Welle…

Was tun??

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